Boorberg Verlag

Flughafenkontrollen wirkungslos

08.01.2008

Unverhältnismäßige Untersuchungen des Gepäcks von Flugpassagieren

Aus einer etwas ungewöhnlichen Ecke kommt eine aktuelle Untersuchung zum Thema Flugsicherheit. Eleni Linos, Doktorandin an der Harvard School of Public Health, Elizabeth Linos, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Department of Economics, Harvard University und Graham Colditz, stellvertretender Institutsleiter des Siteman Cancer Center an der Washington University School of Medicine haben eine Untersuchung veröffentlicht, nach der es keinen Nachweis dafür gibt, dass die aufwendigen Untersuchungen des Gepäcks von Flugpassagieren Terroranschläge verhindern.

Transport Security Administration

Nach den Anschlägen des 11. September 2001 wurden die Fluggastkontrollen in den USA verstaatlicht. Diese Aufgabe wird seit dem von der Transport Security Administration (TSA), einer Abteilung des Ministeriums für Heimatschutz (Department of Homeland Security, DHS) wahrgenommen. Die TSA ist für die Sicherheit der amerikanischen Autobahnen, Bahnstrecken, Häfen, Busse und sonstigen Massentransportmittel sowie für ca. 450 Flughäfen zuständig und beschäftigt dafür rund 50.000 Mitarbeiter.

Wirksamkeit der Maßnahmen

Linos et.al. untersuchten nun die Wirksamkeit dieser Maßnahmen, für die pro Jahr weltweit ca. 5,6 Milliarden USD (3,9 Milliarden EUR) ausgegeben werden. Die Idee für die Untersuchung ist die Überlegung, dass im Vereinigten Königreich Vorsorgeuntersuchungsprogramme zur Verhinderung von tödlichen Erkrankungen nur in Kraft gesetzt werden, wenn das UK National Screening Committee (NSC) befindet, dass dieses Programm angemessen ist. Für Lungenkrebs bedeutete das, dass die Computertomographie die Sterblichkeit verringert, während die gleiche Frage in Zusammenhang mit Antigen-Untersuchungen zur Senkung von Prostatakrebs nicht beantwortet werden konnte.

Sicherstellung verbotener Gegenstände

Anhand der Bewertungskriterien des NSC wurden nunmehr die Sicherheitsmaßnahmen an den Flughäfen überprüft, z.B. ob "feststellbare Marker oder Risikofaktoren" verfügbar sind (Messer oder Explosivstoffe im Gepäck).
So wäre auch das Ausziehen der Schuhe zur gesonderten Kontrolle und die Beschlagnahme kleiner Gegenstände keine Möglichkeit um Zwischenfällen zuvorzukommen. Zwar hat die TSA permanent neue Vorschriften zur Sicherheitskontrolle nach Berichten über Anschlagsdrohungen erlassen, wie effektiv sie seien, sei aber nicht überprüft worden. Stattdessen habe die Behörde die Beschlagnahmung von 13 Mill. Gegenständen als Erfolg bezeichnet. Die meisten dieser verbotenen Gegenstände waren Feuerzeuge. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass laut HR-Online vom 21. Februar 2007 allein auf dem Rhein-Main Flughafen pro Woche Flüssigkeiten mit einem Gesamtgewicht von 21 Tonnen beschlagnahmt werden.

Vergleichswerte

Linos et. al. stellen fest, dass seit 1969 nur 2000 Menschen durch die Folgen eines Sprengstoffanschlages während eines Fluges ums Leben kamen. Trotzdem gibt das DHS 500 Millionen USD zur Erforschung und Entwicklung von Programmen zur Sprengstoffdetektion aus. Selbst wenn man die verheerenden Anschläge von 9/11 mit rund 3000 Toten berücksichtigt, bliebe festzuhalten, dass dies der Anzahl der Toten durch Diabetes jeden Tag bzw. der Anzahl der am HI-Virus verstorbenen Kinder alle drei Tage entspricht.
Die Forscher weisen auch darauf hin, dass die Kosten pro Passagier bei Fluggastkontrollen bei 9,- USD, während die Kosten pro Zugpassagier lediglich bei 0,01 USD liegen, obwohl die Anzahl der Anschläge auf Züge genau so hoch ist wie die auf Flugzeuge. Im medizinischen Bereich entspräche dies einer Mammographie nur der linken Brust obwohl Brustkrebs beide Seiten befallen kann.

Schlussfolgerungen

  • Die Forscher merken an, dass Geld nicht nur für Maßnahmen ausgegeben werden sollte, weil sie politisch opportun sind.
  • Darüber hinaus hoffen sie, dass diese Untersuchung eine öffentliche und akademische Debatte über die Sinnhaftigkeit der Fluggastkontrollen eröffnet.
  • Eine Evaluierung des momentanen Systems wäre der erste Schritt in Richtung eines benutzerfreundlicheren und kosteneffektiveren Programms, welches Passagiere vor realistischen Gefahren schützt.

Autor: Alexander Krause

Anlass: Fluggepäckkontrollen

Eine wirtschaftswissenschaftlich-medizinische Untersuchung stellt fest, dass aufwendige Untersuchungen des Gepäcks von Flugpassagieren keine Terroranschläge verhindern. Die Forscher wollen eine öffentliche und akademische Debatte über Fluggastkontrollen eröffnen. Dabei sollte ein benutzerfreundlicheres und kosteneffektiveres Programm Passagiere vor realistischen Gefahren schützen.

Sachbereich: A3 Aktuelles und Grundlagen - Sonstige Rahmenbedingungen

Schlagwörter: Flughafenkontrollen, Gepäckkontrollen, Transport Security Administration


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