Boorberg Verlag

Sicherheit durch Röntgenprüfsysteme?

17.02.2003

Leistungsspektrum der Röntgenprüfsysteme

Mit Anschlägen im Luftverkehr wird genauso gerechnet wie mit Anschlägen unter Einsatz biologischer oder chemischer Waffen. Während gegen letztere kaum Präventivmaßnahmen möglich sind, können die meisten einsetzbaren Sprengstoffe mittels Röntgenprüfsysteme, z.B. auf Flughäfen, bei den nunmehr 100%-Kontrollen nahezu alle aufgespürt werden.
Herstellerfirmen verfügen über hochwertige Produkte, vom Röntgenprüfgerät für Pakete über Scanmobile, Scantrailer bis hin zum Containerprüfsystem, das Waffen, Sprengstoff und Drogen in größeren Dimensionen im logistischen Bereich aufspüren soll. Die einzelnen Systeme unterscheiden sich im Wesentlichen durch
  • Bauart und damit verbundene Größe der zu röntgenden Gegenstände,
  • Bildauswertfunktionen (Materialdiskrimination, semi- und vollautomatische Sprengstoffdetektion),
  • Strahlungsrichtung beim Röntgen (diagonal von oben, unten oder seitlich),
  • mehrstufige Röntgenbildauswertung bei verdächtigem Gepäck (z.B. im Flughafen über gezielte Bildauswertung auf einer Workstation).

Röntgenprüfgerät HI-SCAN 10065 EDS

Stellvertretend für die unterschiedlichen Modelle soll hier das Röntgenprüfgerät HI-SCAN 10065 EDS beschrieben werden, das der Hersteller und Marktführer auf der Basis eines Stufen-Konzeptes entwickelt hat.
Mit Hilfe des Mehrenergieverfahrens können während des Röntgenvorganges der Objekte unterschiedliche Materialien erkannt werden, d.h. praktisch alle üblichen Sprengstoffe. Dies geschieht durch die Integration zweier voneinander unabhängiger Röntgenprüfsysteme in einem Gerät. Der innovative Effekt besteht in einer vollständigen Trennung der Röntgenspektren beider Systeme, wodurch die verbesserte Unterscheidung von Materialien verschiedener chemischer Zusammensetzung und damit die Detektion von Sprengstoffen optimiert wird. Hinzu kommt eine hochentwickelte Datenverarbeitung mit Parallelrechnern, die übereinanderliegende Objekte elektronisch voneinander "trennen" kann und automatisch Entscheidungen trifft. Bis zu 1500 Gepäckstücke können in einer Stunde automatisch geprüft werden.

Das Röntgengerät kann entweder als "stand alone-System" betrieben werden, oder es ist voll in die flughafenüblichen Fördersysteme integrierbar. Gepäckstücke werden einzeln über das Band zwischen den Röntgengeneratoren und den Röntgendetektoren durchgefahren. Beim Durchleuchten des Gepäckstückes werden die Röntgenstrahlen je nach Durchdringlichkeit des Inhaltes mehr oder weniger stark geschwächt. Die Röntgenstrahlung ist so stark, dass sie bis zu 30 mm Stahl durchleuchtet. Die Durchleuchtung wird zeilenweise vorgenommen. Jede Zeile wird durch die Konzeption des Strahlendetektors noch einmal in über 500 einzelne Bildpunkte zerlegt. Auf diese Weise wird eine außerordentliche hohe Auflösung erzielt.
Die Röntgenstrahlung entspricht ebenfalls allen anwendbaren Strahlenschutz- und Gesundheitsschutzvorschriften und hat keinen Einfluss auf Nahrungsmittel, magnetische Datenträger oder andere zu prüfende Gegenstände.

Detektionssystem EGIS

Keine der Schutzmaßnahmen oder eingesetzten Systeme bietet eine 100%ige Gewähr dafür, dass alle bekannten Sprengstoffe detektiert werden. Sie streiken insbesondere bei Sprengstoffen mit hohem Dampfdruck oder erzeugen Fehlalarme.
Ein Gerät konnte bereits im Testverfahren weltweit als einziges das größte Spektrum unterschiedlicher Sprengstoffe (einschließlich plastifizierter Sprengstoffe) mit einer Fehlerrate weit unter einem Prozent abdecken; selbst bei der Detektion bei geschlossenen Behältnissen: das System EGIS. Es ist mobil einsetzbar und eignet sich für die Personenkontrolle ebenso wie für Fahrzeug- und Materialkontrollen und ist als wirksame Ergänzung zu anderen Sicherungssystemen zu sehen.
Das Detektionssystem EGIS ist ein hochempfindliches Prüfgerät, welches zum Zwecke der Detektierung verschiedener Arten ziviler und militärischer Sprengstoffe wie Dynamit, Semtex, C4 und TNT entwickelt wurde.

Das System verfügt über zwei Hauptbaugruppen, eine tragbare Sonde und eine Analyseeinheit und bedient sich eines Analyseverfahrens, das gaschromatographische Trennung mit nitro-/nitrosespezifischer Chemolumineszens-Detektion kombiniert. Dadurch ist es möglich, auch Sprengstoffe mit sehr niedrigem Gleichgewichtsdampfdruck bei Raumtemperatur zu detektieren, z.B. PETN oder RDX.
Die Bedienung ist durch eingewiesenes und geschultes Personal recht einfach. Zum Gebrauch nimmt das Bedienpersonal die tragbare Sonde und saugt den sprengstoffverdächtigen Gegenstand für ca. 20 Sekunden an der Oberfläche ab. Nach der Probenahme wird die Handsonde an die Analyseeinheit angeschlossen, die das Ergebnis per Signal "Clear" oder "Alarm" in 18-36 Sekunden liefert. Die Analyse wird elektronisch vorgenommen.

Weitere Detektionssysteme

Für Gepäckkontrollen hat ein schwedisches Unternehmen eine neue Art Detektoren entwickelt, die offensichtlich noch nicht marktreif sind. Die Detektoren bestehen aus Biosensoren, die 10.000 mal empfindlicher sein sollen als die herkömmlichen Detektoren für Sprengstoffe.
Das Funktionsprinzip des Sensors ist mit dem Immunsystem des Körpers zu vergleichen. Der Sensor reagiert nur auf den aufzuspürenden Stoff. Er umfasst einen Quarzkristall, der unter Strom bestimmten Schwingungen unterliegt. "Wenn die Antikörper über die Luft mit dem gesuchten Stoff in Kontakt kommen, verlassen sie den Kristall und verbinden sich mit den Molekülen des Stoffes. In diesem Moment ändert sich die Masse des Kristalls. Die somit erzeugte Änderung der Schwingungsfrequenz wird über ein Alarmsignal angezeigt, das darauf hinweist, dass der gesuchte Stoff vorgefunden wurde".
Bleibt nur zu hoffen, dass die technische Entwicklung der Hersteller von Detektionsgeräten schneller voranschreitet als der Einfallsreichtum der Stoffentwickler. Biologische und chemische Kampfstoffe sind beim Militär detektierbar. Wann aber wird es möglich sein, derartige Stoffe an allen sicherheitsempfindlichen Stellen und bei Verdachtsfällen in der Umwelt zu detektieren?

Hinweis:

Der Weltmarktführer Smiths Heimann setzte bisher 20.000 Röntgenprüfsysteme in mehr als 150 Ländern zur Prüfung von Post, Gepäck, Fracht, Containern und LKW ein. Hauptabnehmer sind weltweit Ministerien und Dienststellen, die für im Bereich Transport verantwortlich zeichnen, gefolgt von Fluggesellschaften, Industrieunternehmen, Banken, Strafanstalten, Gerichten und Dienstleistern.

Autor: Hans-Peter Hirschmann

Anlass: Röntgenprüfgerät HI-SCAN 10065

Eine Vielzahl von Röntgenprüfsystemen des Marktführers wird in mehr als 150 Ländern zur Prüfung von Gepäck, Fracht, Containern u.a. auch von Fluggesellschaften eingesetzt. Sprengstoffe können bei den umfassenden Kontrollen im Flugverkehr nahezu alle aufgespürt werden. Leistungsfähige Detektionssysteme zeigen die verschiedenen Sprengstoffarten an.

Sachbereich: D5 Fachspezifische Themen - Sicherheitstechnik

Schlagwörter: Röntgenprüfgerät, Röntgenprüfsysteme, Detektionssysteme, Containerprüfsystem, Luftverkehrssicherheit, Sprengstoff


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